elefanten
Verfasst von lulu96
am 11:42, 9 Oktober 2008
Wahrscheinlich leben nur noch 20 Tiere - damit gilt das nördliche Breitmaulnashorn als das seltenste Großsäugetier der Welt.Seit gut einem Vierteljahrhundert schlägt sein Herz für Afrika. Als Biologie-Student reiste er Anfang der 80er-Jahre zum Forschen in den Kongo. Seitdem hat er in 23 Ländern des Kontinents ge  arbeitet. In Kinsha sa hat ihn eine Familie quasi adoptiert, die er demnächst wieder besuchen wird. Die Rede ist von Armin Pütt ger-Conradt (49), der in Elmshorn zu Hause ist, wenn er nicht die Welt bereist. Beim ersten Besuch in Afrika wollte er noch das Leben der Frösche untersuchen. Doch schnell fiel sein Blick auf echte Urviecher, die nördlichen Breitmaulnashörner. 14 Bullen und Kühe lebten damals im Garamba-Nationalpark, der heute zur Demokratischen Republik Kongo (früher Zaire) gehört. Innerhalb von 20 Jahren war die vorher 1000 Kopf starke Population durch Wilderei - dabei ging es vor allem um ein angeblich Potenz steigernde Mittel aus dem gemahlenen Horn - fast ausgerottet worden. Püttger-Conradt gelang es damals Deutschlands bekanntesten Tierschützer, Professor Bernhard Grzimek, für eine Rettungsaktion zu begeistern. Gemeinsam schafften es die Tierschützer, dass sich die Gruppe der Nashörner verdreifachte. Doch der Bürgerkrieg um die Vorherrschaft in der Region machte diese Erfolge in kurzer Zeit wieder zunichte - tierschützerische Arbeit ist seitdem in dem umkämpften Gebiet nicht möglich. Vor kurzem flog ein Naturschützer über das Gelände und zählte vier der Rhinozerosse. "Wahrscheinlich leben noch etwa zehn Tiere dort", meint Püttger-Conradt. Denn die Nashörner würden sich tagsüber unter Bäumen ausruhen und seien deshalb schwierig zu entdecken. Weil er im Kongobecken nichts ausrichten kann, hat sich Püttger-Conradt intensiver mit den Artgenossen beschäftigt, die in Zoos leben. Die größte Gruppe wird in Dvur Králové in Tschechien betreut. Dort hatte 1975 der "tschechische Grzimek", Josef Vagner, als Gegenleistung für ein Waffengeschäft sechs Nashörner aus Afrika mitgebracht. Immerhin drei Kinder brachte die Nashorn-Kuh "Nasimar" in den 80er-Jahren zur Welt - doch das war es auch. Die Tschechen kooperierten schließlich bei der Zucht mit dem Wildlife Park in San Diego (USA), um dort das subtropische Klima auszunutzen. Zwei Kühe und ein Bulle wurden dorthin verfrachtet - doch vergebens. Stattdessen paarte sich der heimgekehrte Bulle "Saud" mit einem Jungtier zur Jahrtausendwende. "Fatu" ist jetzt das jüngste Nashorn in einem Zoo. "Die Nashörner richten ihre Population auf die Größe ihres Lebensraums ein", erklärt Biologe Püttger-Conradt. Deshalb zweifelt er daran, dass auf dem kleinen Gelände in Tschechien tatsächlich bedeutende Zuchterfolge zu erzielen sind. Nach seinen Informationen werden die Zoologen dort auf einen neuen Weg ausweichen: Sie pflanzen das im Labor besamte Ei eines nördlichen Breitmaulnashorns einer Leihmutter ein. Die gehört zur Gruppe der südlichen Breitmaulnashörner. Diese Art des Rhinos hatte das Glück, als sie in Südafrika um 1900 ebenfalls auf etwa zehn Exemplare geschrumpft war unter besonderen Schutz gestellt zu werden. "Heute leben in den riesigen Nationalparks im Land mehr als 1000 dieser Nashörner", sagt der Biologe. Die Leihmutterschaft bei einem der letzten nördlichen Breitmaul-Rhinos halten Tierärzte für zu gefährlich. Das Risiko, dass durch Stress ein Tier stirbt, ist zu groß. Über diese und andere Geschichten rund um Nashörner und ihren größten Beschützer, Armin Pütter-Conradt, berichtet der NDR am Sonnabend, 29. Dezember, im Tiermagazin, das ab 16 Uhr auf N3 ausgestrahlt wird. Dann erfahren die Zuhörer auch, was mit den Alttieren "Suni", "Nesari" und "Nabire" geplant ist: Sie dürfen vielleicht ihren Lebensabend in Afrika verbringen.
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