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WILDE TIERE

Verfasst von lulu96 am 20:07, 20 Juli 2008
Fuchs in the City
Die ursprüngliche Heimat der Wildtiere wird immer unnatürlicher. Die mehr und mehr industrialisierte Landwirtschaft vertreibt die Tiere. Schuld daran sind Bauern, die ihre Felder mit anorganischen Stoffen wie Phosphaten und Stickstoffverbindungen überdüngen. Dadurch schießen zwar Pflanzenarten wie Mais, Weizen und Gerste aus dem Boden und bringen jährlich neue Ernterekorde ein. Diese Monokulturen aber zerstören Wildkräuter, die viele Tiere als Nahrung benötigen.

In der Großstadt haben sie es besser: Hier kommen die Tiere dank Komposthaufen oder überquellende Abfalleimer leichter und schneller an Futter, sie brauchen sich weniger vor Jagdhunden und Jägern zu fürchten und sie finden bequeme Unterkünfte auf Baustellen oder in Garagen. „Dadurch sind viele Wildtiere von Kulturgegnern zu Kulturfolgern geworden“, erklärt Anton Fellner, Leiter der Münchner Jagdbehörde.

Wildschweine in der grünen Hauptstadt
Wie in Berlin. Der Stadtraum gehört in Bezug auf Pflanzen, Insekten, Vögel, Kriech- und Säugetieren zu den artenreichsten Bereichen Deutschlands. Weil die Stadtverwaltung öffentliche Grünflächen nicht düngt, weil die Hauptstadt zu einem Fünftel aus Wald besteht und weil „trockene Wälder in heißen Sommern Wildschweine in die Stadtgegend treiben“, wie Marc Franusch vom Landesforstamt Berlin erklärt. In bewässerten Parks finden sie unter der Erdoberfläche schmackhafte Pflanzenknollen und Wurzeln.

Angst vorm wilden Tier

Und das merkt sich das Wildschwein – und kommt wieder. Das muss niemanden beunruhigen. Nur in der Zeit der Aufzucht kann das Mutterschwein, die Bache, aggressiv werden, vor allem wenn Menschen ihren Frischlingen zu nahe kommen. „Wenn das Tier angreift, nicht kämpfen! Das kann böse enden. Am besten davon laufen“, rät Marc Franusch.

Füchse greifen nicht an. Nur der Fuchsbandwurm ist gefährlich. Der Fuchs scheidet die Wurmeier aus, diese setzen sich an Himbeeren oder Walderdbeeren fest. Wer die Beeren ungewaschen isst, riskiert schwere Krankheiten oder sogar den Tod. Vor Tollwut hingegen braucht niemand mehr Angst zu haben. Impfungen haben die Krankheit in Deutschland ausgelöscht.

Auch Rudel sind harmlos. Der Einzelgänger Fuchs hat sich in der Stadt entgegen seiner Natur zu einem Patriarchen entwickelt. Wird dieses Alpha-Tier aber erschossen, gerät der ganze Familienbund durcheinander. Ein fremdes Fuchs-Männchen quartiert sich dann ein und paart sich nicht nur – wie der ehemalige Alpha-Fuchs – mit der Alpha-Füchsin, sondern auch mit den restlichen weiblichen Jungtieren. Statt den Bestand durch einen toten Fuchs zu dezimieren, explodiert also die Population. Doch auch ohne menschlichen Eingriff wird die Fuchs-Bevölkerung zum Beispiel im Stadtgebiet München konstant bleiben, prophezeit Jäger Anton Fellner. Denn Füchse regulieren ihren Bestand selbst. Ist die maximale Zahl in einem Revier erreicht, werden die Weibchen vorübergehend unfruchtbar.

WARNUG

Nicht selbst schießen

Ohnehin dürfen nur Jäger die Tiere töten. Allerdings nicht immer und überall:
Herrenlose Wildtiere bewegen sich in rechtsfreiem Raum. Die Wohngebiete sind nach Jagdrecht befriedete Bezirke, in denen nur in Ausnahmefällen geschossen werden darf, zum Beispiel wenn sie einen Kindergarten bedrohen. In Berlin zum Beispiel wurden im aktuellen Jagdjahr bislang knapp 1.300 Wildschweine getötet. Dazu kamen 350 Tiere, die ausschließlich in Wohngebieten erlegt wurden. Inzwischen hat sich die Berliner Wildschwein-Population bei etwa 6.000 bis 10.000 Stück eingependelt. Der Sprecher der Förster, Marc Franusch, stellt fest: „Wildschwein und Fuchs haben sich in Berlin unumkehrbar eingenistet. Sie sind da.“ Und werden bleiben.

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