"Tierschutz-TÜV" - ja oder nein?
Hand aufs Herz: Wisst Ihr, wo Euer Grillhähnchen herkommt? Und wie es gehalten und gefüttert wird? Nein? Am besten, man informiert sich vorher. Immer wieder wird die Frage nach einem "Tierschutz-TÜV" laut. Die Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft (FNL) lehnt diese mit folgender Begründung ab:
Solche Meldungen kommen nicht überraschend: Die Verfütterung von tierischen Proteinen ist in der EU seit 2000 verboten, und Hähnchen werden grundsätzlich nicht in Käfigen gehalten. Immer wieder wird - besonders im Sommerloch - auf angeblich skandalöse Zustände hingewiesen, um den Verbraucher "aufzurütteln". Wenn Handel oder Lebensmittelwirtschaft daraufhin vereinzelt betonen, beim Einkauf auf entsprechende Produktionsmethoden zu verzichten, wird dieses Vorgehen oft als Sonderfall verstanden. Dabei ist dies eher eine Werbung mit Selbstverständlichkeiten, da diese Vorschriften von allen landwirtschaftlichen Betrieben eingehalten werden müssen. 
Fakt ist, laut FNL: In Deutschland gelten die strengsten Vorschriften innerhalb der EU, und zwar für alle Landwirte und nicht nur für alternativ wirtschaftende Betriebe. Fortschritte in der Tierhaltung - vor allem zum Wohl der Tiere und der Arbeitssituation der Landwirte - haben gerade in Deutschland eine lange Tradition. Es ist fraglich, ob ein "Tierschutz-TÜV" diese Entwicklung weiter voran bringt oder die Tierhaltung in Deutschland zukünftig eher ausbremst. 
Zu den hohen Standards in der Tierhaltung in Deutschland haben vor allem die Landwirte selbst beigetragen, betont die FNL in einer Pressemitteilung: Forschung und Praxis suchen permanent nach Verbesserungen der Fütterungs- und Haltungssysteme, um nachhaltig zu wirtschaften, und zwar nachhaltig im Sinne von wirtschaftlich effizient, sozial verträglich für Landwirt und Verbraucher und ökologisch verantwortlich. Dazu gehört auch die Verantwortung für die Nutztiere, mit denen die Landwirte ihren Lebensunterhalt verdienen.
Fakt sei auch, so die Gesellschaft: Die Verfütterung von tierischen Proteinen wurde zur Bekämpfung von BSE verboten. Seit dem Verfütterungsverbot mussten über 300 000 Tonnen von hochwertigem Eiweiß (Kategorie 3 Material, d.h. Rückstände aus der Lebensmittelproduktion) vernichtet werden und stehen damit der Landwirtschaft - und der Gesellschaft - als Ressource nicht mehr zur Verfügung. In Zeiten knapper Rohstoffe ist es jedoch auch ökologisch verantwortlich, über nachhaltige Nutzungsmöglichkeiten nachzudenken, so die FNL.
Bei Schlachtung, Zerlegung und Fleischverarbeitung fallen etwas mehr als 2,1 Mio. Tonnen Schlachtnebenprodukte an, die nicht ihren Weg über die Ladentheke finden. Stofflich sind sie nichts anderes als Fleisch und Knochen von Schlachttieren, die für die menschliche Ernährung gehalten und genutzt werden ( www.stn-vvtn.de ). Zurzeit werden diese Mengen über pflanzliche Futtermittel wie Sojaschrot oder Rapsschrot bereitgestellt, die größtenteils importiert werden.
Was meint Ihr: "Tierschutz-TÜV" ja oder nein? Braucht die Landwirtschaft mehr Kontrolle, oder gebt Ihr der FNL Recht? Diskutiert ein wenig mit, wir freuen uns auf Eure Ansichten!

