Andre Thieme Sieger im Deutschen Spring-Derby
Sie wollten ihn am liebsten gar nicht mehr raus reiten lassen, die 27.000 Zuschauer des 79. Deutschen Spring-Derbys - Andre Thieme aus Plau, Titelverteidiger und zum zweiten Mal Sieger im 1230 Meter langen, ungewöhnlichen Kurs in Hamburg-Klein Flottbek. Mit einer tadellosen Runde im Umlauf auf dem 13 Jahre alten niederländischen Wallach Nacorde jumpte der Mecklenburger ins Stechen, ballte die Faust und nahm sich einiges vor. Insgesamt fünf Reiter erreichten das Ziel ohne Fehler und machten damit ein Stechen erforderlich. Als Erster mußte Carsten-Otto Nagel aus Wedel mit Calle Cool in die entscheidende letzte Runde und der Schleswig-Holsteiner, der genauso hohe Sympathiewerte genießt wie Thieme, setzte mit Calle Cool in 52,59 und ohne Fehler die folgenden Mitbewerber sehr unter Druck.
"Ich hab doch Angst gekriegt, als ich Carstens Zeit sah und es war gut, dass ich mir seinen Ritt angesehen habe," räumte Thieme ein, " denn ich bin sonst nicht der Schnellste und das hat mich in Schwung gebracht." Für den Derbysieger war es ein sehr emotionaler Tag, denn Nacordes Besitzer Hans-Friedrich Biemann aus Minzow war nach langer Krankheit das erste Mal wieder mit auf Turnier-Tour. "Mein Fiete kümmert sich wie ein Pfleger um Nacorde, der ist gar nicht wie ein normaler Pferdebesitzer," so Thieme. Minutenlang lagen sich Reiter und Besitzer in den Armen. Besonders erfreut war der 33-jährige, der am 21. Juni seine Freundin Corinna heiratet, das auch Vater Michael Thieme, Dressurausbilder am Landgestüt Redefin und überhaupt die ganze Familie nach Hamburg gekommen war.
Thieme übernahm mit dem Sieg auch die Führung in der RIDERS TOUR, die ihre erste von sechs Etappen in Hamburg erlebte. Und das bei einem neuen Zuschauerrekord. Insgesamt 66.000 Besucher eroberten an vier Tagen den Derby-Park, wie Turnierchef Volker Wulff voller Stolz verkünden konnte. "Ich bin jetzt angenehm erschöpft. Wir haben Kapazitätsgrenzen erreicht." Allein am Sonntag kamen 27.000 nach Klein Flottbek, bereiteten den Dressurstars Isabell Werth (Rheinberg), Heike Kemmer (Winsen) und Kristy Oatley eine fulminantes Finale im von Miele präsentierten 48. Deutschen Dressur-Derby und zelebrierten dann nachmittags Derbyfieber am Parcours.
Pure Unterhaltung bot das Großereignis im Derby-Park. Wer keinen Tribünen- oder Stehplatz mehr ergattern konnte, machte es sich bei bestem Wetter vor der Großbildleinwand in der Ausstellung gemütlich und genoß "public viewing" und die Geräuschkulisse von 50 Metern weiter nebenan. Da gab es allerlei Unterhaltsames: Fabriana, die 14 Jahre alte Hannoveraner Stute des Briten Tim Gredley entledigte sich ihres Reiters nach der Planke hinter dem Wall und sprang dann der Einfachheit halber allein den nächsten Sprung. Latoya Life, die Stute von Tobias Bücker brachte die Zuschauer zum Lachen, als sie ganz oben auf dem Wall stehen blieb und sich erst Mal in aller Ruhe die Kulisse besah. Offenkundig zufrieden mit der Publikumsresonanz spazierte die Pferdedame dann behende vom steilen Wall herunter, als täte sie das tagtäglich.
Ein einzigartiges Derby-Finale genossen die Zuschauer am Dressurviereck. Zwei Weltmeisterinnen tauschten mit Australiens Olympia-Kandidatin Kristy Oatley die Pferde und offenbarten Eleganz und Professionalität. Doppel-Wetlmeisterin Isabell Werth heimste die höchsten Noten ein und brachte Equipe-Kollegin Heike Kemmer zum Strahlen, die sich schon freitags darauf gefreut hatte, was "Isabell noch aus Rubi rauskitzelt". Rubi ist Rubin Royal und der vierbeinige Derbysieger, denn der schicke Fuchs bestach unter allen drei Reiterinnen durch seine Rittigkeit und Charme. In der Siegerehrung auf dem großen Hauptplatz machten die drei Damen den Springreitern dann Konkurrenz und starteten zu einem fulminanten Galoppfinsh Richtung Ausritt.
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