3 Oktober 2009 - Godzillas Kastration |
Am ersten Oktober hatte Godzilla nun seinen Kastrationstermin. Gleich am Morgen, bevor ich ins Büro ging, brachte ich ihn in der großen Transporttasche, die ich mit zwei zusammengelegten Handtüchern weich ausgepolstert hatte, zum Tierarzt.
Zu Schnuggy sagte ich: "Du bist heute alleine, arme Maus, Dein Freund ist den Tag über nicht hier bei Dir!" Und als hätte Schnuggy genau gewusst, dass etwas Besonderes vorging, hockte sie sich ganz nah ans Käfiggitter und schaute mit ihren großen Kugelaugen aufmerksam zu, als ich Godzilla aus seinem Käfig in die Transporttasche hob.
Zum ersten Mal, seit ich Kaninchen halte und Rammler kastrieren lasse, musste ich in der Tierarztpraxis ein Formular unterschreiben, das den Tierarzt von der Verantwortung für Unwägbarkeiten während der OP (Kreislaufversagen etc.) freistellt. Nach einer kurzen Besprechung des Ablaufes mit der Tierärztin und einem Check ihrerseits, ob Godzillas Hoden für die Kastration ausreichend entwickelt sind (waren sie natürlich), musste ich Silly schweren Herzens seinem Schicksal überlassen.
Gegen 12.30 Uhr rief ich beim Tierarzt an und erfuhr, dass Godzilla aus der Narkose erwacht sei und ich ihn abholen könnte. Ich vereinbarte 16.00 Uhr als Abholtermin, der Arbeitstag wollte schließlich erst einmal beendet werden. Pünktlich kurz nach 16.00 Uhr stand ich in der Praxis, durfte natürlich erst mal die Rechnung bezahlen und fragte mich einmal mehr wie es kommt, dass eine Dienstleistung heutzutage einen höheren Betrag in Euro kostet, als sie früher in DM gekostet hat. Bei diesen horrenden Tierarztrechnungen wundert es mich kein bisschen, dass immer mehr Tiere im Tierheim landen und auch die Tierarztrechnungen in den Tierheimen regelrecht explodieren.
Als hätte die Tierarzthelferin meine Gedanken gelesen, bat sie mich mitzukommen und führte mich in den Raum, in dem die operierten Tiere betreut werden. Von der Sauberkeit und den geräumigen, mit weichen Decken ausgestatteten Käfigen für die operierten Tiere war ich angenehm überrascht. Meine Meinung über die zu hohen Kosten für einen solch kleinen Eingriff ändert das aber auch nicht.
Godzilla saß in einer der großen Käfigboxen, wo er sich ängstlich in die hinterste Ecke gekauert hatte, und ich kam nicht umhin zu bemerken: "Wow, Godzilla, Du hast ja eine richtige Luxussuite hier gehabt!"
Die Helferin holte ihn heraus und setzte ihn in die bereitstehende Transporttasche, und dann ging es ohne Verzögerung auf den ca. 15-minütigen Fußweg nach Hause.
Auf dem Weg überlegte ich mir, wie ich die Empfehlung der Tierärztin, Godzilla eine Woche lang ohne Einstreu zu halten, in der Praxis umsetzen könnte. Ständig sah ich vollgepullerte und mit Kötteln übersäte Decken und Handtücher vor mir, die dreimal am Tag ausgewechselt und jedesmal sofort gewaschen werden müssen. Abgesehen davon, dass ich gar nicht so viele Decken und Handtücher besitze, würde mir wegen meines Vollzeitjobs auch die Zeit fehlen, diese ständig zu wechseln und zu waschen.
Zuhause angekommen entfernte ich zuerst einmal die Einstreu aus Godzillas Käfig und säuberte die Schale. Ferner leerte ich eine der beiden Hasentoiletten und stellte sie mit Küchentüchern ausgepolstert in die Käfigunterschale, und zwar auf die linke Seite.
Während ich das "Werk" betrachtete, kam mir die Idee, dass Stroh eigentlich ein ideales Bodenmaterial wäre. Grob genug, um nicht mit evtl. Wunden zu verkleben, eine warme Unterlage und in jeder Hinsicht besser als ein Handtuch oder eine Decke. Nur hatte ich kein Stroh daheim, ich verwende es sonst nur während der Wintermonate als zusätzliche Bodenbedeckung. Also habe ich mich aufs Fahrrad gesetzt und bin zum nächsterreichbaren Zooladen gefahren, um einen Beutel Stroh zu kaufen. Was tut man nicht alles für seine Lieblinge!
Godzilla benutzte die Toilette sogar sofort, obgleich sie sonst mit normaler Einstreu gefüllt ist und er Küchentücher als Bodenbelag dafür gar nicht kennt.
Am anderen Morgen allerdings war das Stroh in der rechten oberen Käfigecke durchweicht - ich hatte nicht bedacht, dass die RECHTE obere Ecke eigentlich seine "Kloecke" ist und nicht die linke. Wie doof kann man nach jahrzehntelanger Kaninchenpflege eigentlich sein?!
Also habe ich nach der Säuberung der Käfigunterschale und der Toilette diese auf der rechten Seite plaziert. Anderntags war das Stroh auf der LINKEN Seite mit Urin vollgesogen, und das Hasenklo unbenutzt. Ich verstand das natürlich nicht und wunderte mich. Später sah ich, dass Silly das mit Küchentüchern gepolsterte Klo als "Bett" zum Reinlegen und Relaxen benutzt. Offenbar ist es dem kleinen Witzbold als Klo zu schade.
Am Abend des Operationstages hatte Godzilla keinen rechten Appetit. Er saß teilnahmslos herum. Ich habe ihn ein bisschen gestreichelt und getröstet, was ihm zu gefallen schien, aber sein üblicher Heißhunger aufs Essen wollte sich nicht einstellen. Ich versorgte ihn für die Nacht mit Trockenfutter und einigen Gemüsestücken. Heu hat er sowieso immer zur Verfügung. Die Ärztin meinte, es sei wichtig, dass er frisst, andernfalls müsste ich mir Medikamente holen.
Freilauf gewährte ich Godzilla am Operationstag abends nicht. Abgesehen davon, dass er ohnehin apathisch wirkte, fielen ihm dauernd die Äuglein zu. Die Narkose schien noch nachzuwirken. Schnuggy durfte natürlich heraus, allerdings benahm sie sich über die Maßen komisch. Dauernd machte sie Männchen und sicherte die Umgebung, als ob Gefahr in der Luft liege, und zeigte schreckhaftes Verhalten. Dieses kluge, sensible Kaninchen musste genau gespürt haben, dass mit ihrem Freund an diesem Tag etwas geschehen war, etwas Bedrohliches. Vielleicht hatte Godzilla auch einen seltsamen Geruch an sich vom Aufenthalt in der Tierarztpraxis her, oder Schnuggy roch einfach seine Angst, was sich dann auf sie selbst übertrug. Ich fand das eine interessante Beobachtung. Etwas Ähnliches konnte ich beobachten, als ich damals meinen süßen Widder Muffin zum Einschläfern bringen musste. Seine Partnerin Beelzi schaute angespannt und mit regelrecht angstgeweiteten Augen zu, wie ich Muffin aus dem Käfig holte und in die Transporttasche setzte. Als hätte sie genau gewusst, dass etwas Schreckliches mit ihrem Freund geschehen würde. Unglaublich, wie aufmerksam Kaninchen sind und wie sie auf das reagieren, was mit ihrem Artgenossen passiert. Deshalb kann ich mir gut die Angst vorstellen, die so ein Tierchen aussteht, wenn man es nach Monaten oder gar Jahren plötzlich weggibt und damit aus seiner vertrauten Umgebung reißt.
Am 02.10. morgens war immerhin Godzillas Napf leer. Die morgendliche Ration Trockenfutter und Obst rief bei ihm allerdings erneut keine Begeisterung hervor. Er schien immer noch Schmerzen zu haben.
Als ich am Freitag am späten Nachmittag von der Arbeit nach Hause kam, hatte Godzilla den Futternapf geleert. Auch sonst wirkte er wieder "normal" auf mich. Abends ließ ich ihn im Laufgehege herumhoppeln, was ihm wie üblich Spaß machte. Ich hatte nicht mehr den Eindruck, dass er Schmerzen litt. Offene Wunden sind nach einer Kastration eigentlich gar nicht vorhanden, die Operationsstellen sind bereits mit Fäden ordentlich vernäht. Es juckte Godzilla anscheinend, denn manchmal leckte er sich ab. Ansonsten war er ganz der Alte und beobachtete aufmerksam Schnuggy, die wie üblich um das Laufgehege herumrannte. Später im Käfig machte er sich ohne Verzögerung über seinen Futternapf her.
Heute morgen, 03.10., zwei Tage nach der OP, war er bereits wieder völlig hergestellt und führte seinen üblichen Freudentanz auf, als ich ihm die morgendliche Futterration reichte. Er dreht sich dann vor lauter Vorfreude mehrfach um seine eigene Achse, stellt sich auf die Hinterbeine und kann es kaum erwarten, bis der frisch gefüllte Napf endlich in seinem Käfig landet.
Ich bin erleichtert, dass die Kastration geschafft ist. Nun dauert es acht Wochen, bis ich Schnuggy und Godzilla endlich "gefahrlos" zusammenlassen kann. Früher bekam man immer sechs Wochen als Frist zu hören, die Tierärztin meinte jedoch diesmal, acht Wochen seien sicherer. Und ich glaube das auch.
Ich freue mich sehr darauf, die beiden endlich miteinander herumhoppeln zu sehen. Das wird ein ganz tolles Weihnachtsgeschenk für mich. Und für Schnuggy und Godzilla sowieso!

Der frisch kastrierte Godzilla in seiner einstreufreien Wohnung

Alles überstanden! Es schmeckt Klein-Monsti wieder :-))

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Meine Kaninchen und mein Hamster
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