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Zuckerschnutenblog

5 Juli 2009 - Richtige Ernährung von Kaninchen - ein Erfahrungsbericht

Ich möchte meine Erkenntnisse zur Ernährung von Kaninchen vor allem für diejenigen darlegen, die vielleicht noch nicht viel Erfahrung haben mit der Kaninchenhaltung und/oder vor ähnlichen Problemen stehen wie ich früher.  

Im Kleintier-Forum von "deine-tierwelt.de" gibt es unter "Kaninchen" zwar eine Seite, auf der die artgerechte Ernährung ausführlich dargestellt wird, aber wenn ich in Kaninchenporträts unter "Lieblingsessen" manchmal Einträge lese, die genau jene Sachen aufzählen, die Kaninchen eigentlich NICHT essen sollen, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die richtige Ernährung von Kaninchen nach wie vor ein wichtiges Thema ist, über das man gar nicht genug schreiben kann.  

Seit vierundzwanzig Jahren halte ich nahezu ununterbrochen Kaninchen, und abgesehen davon, dass es früher das Riesen-Angebot der heutigen Futtermittelindustrie überhaupt nicht gab, begriff ich erst spät, was es eigentlich bedeutet, Kaninchen richtig zu ernähren.  

Mein "Kaninchenhalterproblem", das mich lange Zeit begleitete, war dauerhafter, hartnäckiger Durchfall bei meinen Tieren. Es war oft so schlimm, dass ich, wenn ich den Tieren Freilauf geben wollte, ihnen vorher erst einmal die süßen kleinen Hintern waschen musste, weil sie völlig verschmiert waren. Ich konnte mir diesen Dauerdurchfall nicht erklären, und auch eine Tierärztin, die ich zu möglichen Ursachen befragte, konnte mir nicht helfen. Ich selbst vermutete, dass der Durchfall vom Obst, vom Gemüse oder dem Grünfutter ausgelöst wurde und ließ insbesondere das Grünfutter mehr oder weniger ganz weg. Es änderte sich nichts. Der Durchfall hielt sich hartnäckig, war mal besser, mal schlimmer.  

Eines Tages forschte ich im Internet nach und stieß tatsächlich auf Kaninchenhalter, die mit dem gleichen Problem kämpften. Ihren Kaninchen hatte letztendlich eine Ernährungsumstellung geholfen. Also begann ich, mich intensiv mit der Ernährung von Kaninchen zu befassen und fand heraus, dass ich es gerade falsch herum machte: Ich ließ das (frische) Grünfutter weg und fütterte umso mehr Trockenfutter in der irrigen Annahme, die Tiere würden verhungern, wenn sie nicht ausreichend von dem Körnerzeug bekämen. Zusätzlich fütterte ich Knabberstangen, Yoghurtdrops, "Weizenkissen" und andere von der Futtermittelindustrie angebotene Leckerbissen für Kaninchen.  

Genau das aber war der Fehler, denn der Verdauungstrakt von Kaninchen ist überhaupt nicht in der Lage, zucker- oder milchhaltiges Zeug zu verdauen, und Körner - insbesondere Getreide - gehören ebenfalls nicht zum üblichen Futter wildlebender Kaninchen.  Kaninchen brauchen in erster Linie Grünfutter (z.B. Gras), sowohl in frischer als auch in getrockneter Form von Heu.  

Nachdem ich das endlich begriffen hatte, nahm ich eine Futterumstellung dahingehend vor, dass ich zunächst einmal alles wegließ, was nicht in den Kaninchenmagen gehört, namentlich Knabberstangen und andere von Zucker zusammengehaltene Leckereien, Yoghurtdrops und andere Milcherzeugnisse sowie zu guter Letzt Knabberzeug, in dem sich hohe Anteile von Getreide oder Melasse befinden. 

Dann suchte ich nach einem geeigneten Trockenfutter, wobei ich ebenfalls auf einen niedrigen Getreideanteil achtete. Gute Erfahrungen machte ich damals mit dem Futter "JR Farm light", auch "Xtra-Vital" von Beaphar wurde von meinen Kaninchen gern genommen. Insgesamt reduzierte ich die Menge des Trockenfutters von prall gefüllten Futternäpfen auf zwei kleine Portionen pro Tag, je eine morgens und eine abends.  Parallel dazu erhöhte ich die Gaben von Frischfutter (Petersilie, Dill, Basilikum, Katzengras, Liebstöckel, Kerbel), wobei ich jedoch immer darauf achtete, dass die Tiere alles Frischfutter,  auch die Obst- und Gemüsestücke, bei einer Mahlzeit aufaßen und nichts im Napf liegenblieb, wo es welken oder gären konnte. 

Nachdem ich die Futterumstellung (natürlich langsam!) vollzogen hatte - meine "Versuchskaninchen" waren damals Beelzebub und Muffin - setzte eine wunderbare Wandlung ein. Sie fraßen plötzlich mehr Heu, fraßen mit sichtlich mehr Appetit, wurden bewegungsfreudiger und, was natürlich das Tollste war, der Durchfall verschwand! Die Köttelchen waren auf einmal wie sie sein sollten, nämlich trocken, fest und absolut geruchlos, ihre kleinen, süßen Hasenhintern nicht länger verschmiert. Das Babyduschgel, das ich zur Säuberung verwendete, konnte ich bald wegwerfen, die Einmalwaschlappen auch. Bei dieser Form der Ernährung bin ich geblieben und hatte seither nie wieder auch nur ansatzweise Probleme mit Durchfall bei meinen Kaninchen. 

Im Lauf der Zeit habe ich verschiedene Trockenfutter für Kaninchen getestet bzw. von meinen Tieren testen lassen. Zu den Marken, die mir qualitätsmäßig am hochwertigsten erscheinen, gehören "Bunny Grüner Traum", "Beaphar X-tra Vital" und - für überwiegend in der Wohnung gehaltene Kaninchen - "Cuni Indoor Nature", sowie das aus England stammende "Selective" der Firma Supreme Petfoods Ltd. Mit den verschiedenen Sorten "Grüner Traum" von Bunny habe ich die Erfahrung gemacht, dass sie manche Kaninchen gern mögen, andere gar nicht. Vielleicht liegt es daran, dass die Pellets mit Ausnahme des für sehr junge Kaninchen gedachten "Bunny Grüner Traum Young" etwas groß geraten sind. Von allen Kaninchen ausnahmslos gern genommen wurden alle anderen erwähnten Sorten, besonders gern "Selective".

Derzeit füttere ich "Cuni Indoor Nature" und "Selective" zu gleichen Teilen, insgesamt etwa 10 Gramm pro Kaninchen je einmal morgens, 6.30 Uhr, und abends um 20.00 Uhr. 
 

Dazu gibt es eine Handvoll Grünfutter (gemischt aus dem, was ich aus dem Angebot von Bioladen und/oder Supermarkt gerade da habe, z.B. Petersilie, Basilikum, Bohnenkraut, Melisse, Kerbel, Liebstöckel). 


Am Morgen bekommt jedes Kaninchen zusätzlich ein kleines Stück Apfel und ein kleines Stück Birne und/oder Banane sowie ein kleines Stück Karotte.

Hinweis zum Obst: Kiwis, Erdbeeren, Pfirsiche, Trauben, Melone und anderes extrem "nasses", mit kleinen Körnern versehenes Obst füttere ich meinen Kaninchen nicht, auch wenn es manchmal empfohlen wird - mir erscheinen diese Obstsorten im Hinblick auf dadurch evtl. entstehende Darmprobleme als zu problematisch.

 

Am Abend (20.00 Uhr) bekommt jedes Kaninchen zu Trocken- und Grünfutter ein etwas größeres Stück Karotte, ein Stück Kohlrabi und winzige Stücke von einer Fenchelknolle.

Hinweis zu Gemüse und Frischfutter: Ich verfüttere grundsätzlich keinen Salat, höchstens manchmal etwas Rucola, und keinen Kohl. Kohlrabiblätter gibt es auch nur in winzigen Mengen ab und zu. Brokkoli wäre zwar geeignet, meine beiden mögen ihn aber nicht besonders und er welkt schnell. Ein sehr gut geeignetes Futtergemüse ist Topinambur, leider gibt es den nicht überall und auch nicht immer. Gurke gibt es ebenfalls nur ganz selten, Paprika füttere ich nie - beides ist mir im Hinblick auf den hohen Wassergehalt zu risikoreich im Hinblick auf evtl. Darmprobleme.

Später am Abend, so gegen 22.00 Uhr, bekommen Schnuggy und Godzilla noch einmal etwas zu naschen, namentlich einige Stängel Golliwoog oder Katzengras und je ein Stück Sellerie. 

Das Trocken- und Frischfutter wird auf diese Weise komplett verzehrt, und in den darauffolgenden Stunden fressen die Kaninchen ausschließlich Heu, je eine halbe Raufe voll. Manchmal gebe ich noch eine Handvoll grünen Hafer und hin und wieder getrocknete Kräuter wie z.B. Brennesseln oder Löwenzahn dazu. 

Frisches Wasser haben die beiden natürlich ständig zur Verfügung. 

Mit dieser Ernährungsform habe ich in den vergangenen Jahren die besten Erfahrungen gemacht. Am Allerwichtigsten war für mich die Erkenntnis, dass nicht alles, was die Futtermittelindustrie als "Kaninchenfutter" verkauft, geeignet ist zum Füttern, sondern im Gegenteil die Tiere sogar krank machen kann.  

Mittlerweile bin ich überzeugt, dass eine Ernährung von Kaninchen überwiegend mit Körner- bzw. Trockenfutter nicht nur - wie bei meinen Tieren - Darmprobleme auslösen kann, sondern auch die gefürchteten Kiefervereiterungen begünstigt.  

Man neigt dazu anzunehmen, Kaninchen würden ihre Zähne beim Verzehr von Knabberstangen und anderen harten Leckereien abnutzen, aber das ist ein fataler Irrtum, wie ich auf schmerzliche Weise lernen musste, denn ich habe bereits zwei Kaninchen durch Kiefervereiterungen verloren. Kiefervereiterungen sind nicht heilbar. Die Tiere müssen früher oder später eingeschläfert werden, weil sie bald nicht mehr fressen können vor Schmerzen. Manche Kaninchen sind aus Erb- oder Rassegründen dafür prädestiniert, Kiefervereiterungen zu bekommen, aber die Ernährung spielt zweifellos auch eine Rolle. 

Kaninchenzähne werden durch das beständige Mümmeln von Heu abgenutzt. Daher muss man unbedingt darauf achten, dass die Kaninchen ausreichend Heu fressen. Wenn man zuviel Trockenfutter gibt, sind die Tiere ständig pappsatt und lassen das Heu nahezu unbeachtet in der Raufe. Im übrigen dient die ausreichende Aufnahme von Heu zur Verdauungsregulierung und ist daher immens wichtig. 

Es darf durchaus erwähnt werden, dass die heute im Handel erhältlichen Premium-Kaninchen-Trockenfuttersorten, die einen hohen Rohfaseranteil enthalten (mind. 15 %),  qualitativ hochwertig sind und der artgerechneten Ernährung von Kaninchen auf jeden Fall näher kommen als das früher übliche Futter, das überwiegend aus Getreidekörnern bestand.  


Ich würde Trockenfutter trotzdem nicht mehr in großen Mengen verfüttern. Es ist viel besser, seine Tiere mit frischer Kost und hochwertigem Heu zu versorgen, auch wenn das Füttern von Frischkost mit mehr Aufwand verbunden ist, denn manche Kräuter welken schnell, man muss ständig frische Töpfe nachkaufen oder sie selbst ziehen (wofür jedoch u.U. - so wie bei mir - der Platz gar nicht vorhanden ist), Bundkräuter wie Petersilie oder Dill müssen gewaschen und bis zur Fütterung wieder getrocknet werden, weil sie keinesfalls nass verfüttert werden dürfen. Gemüse und Obst muss geschält und in Stücke geschnitten werden. Alles muss Zimmertemperatur haben und darf weder nass noch verschimmelt oder angefault sein.

Noch ein Wort zur Qualität des Frischfutters: Wann immer es mir zeitlich möglich ist, kaufe ich Gemüse und Grünfutter für meine Kaninchen im Bioladen. Ich füttere diese ungespritzten Sachen einfach mit einem viel besseren Gewissen als das Zeug aus dem Supermarkt. Meine Kaninchen sind dadurch schon richtige Genießer geworden. Wenn ich manchmal aus Zeitgründen Sellerie oder Kohlrabi im normalen Supermarktangebot kaufe, lassen die beiden die Stücke erst eine Weile in der Futterschüssel liegen, bevor sie sie fressen. Auf das Gemüse aus dem Bioladen stürzen sie sich immer sofort und verschlingen es regelrecht.

Glücklicherweise sind die im Buchhandel käuflichen Ratgeber zur Kaninchenhaltung neueren Datums dazu übergegangen, das, was ich hier erläutert habe, wenigstens in Ansätzen ebenso auszudrücken - früher fand man in den Ratgebern überhaupt keine Ausführungen darüber, wie schädlich sich Honig, Zucker, Milch und übermäßig viel Getreide auf die Verdauung von Kaninchen auswirken.  

Und wenn man - so wie ich lange Zeit - von dem Gedanken gar nicht loskommt, Kaninchen könnten verhungern, wenn sie kein Trockenfutter bekommen, muss man sich einfach immer wieder klar machen, dass man im Gegenteil Kaninchen allein von Heu, Grünfutter und Wasser ernähren könnte. Genaugenommen könnte (und sollte) man das Trockenfutter komplett weglassen.  

Wer das partout nicht fertig bringt, reduziert wenigstens die Menge auf sozusagen "ein paar Krümel", so wie ich es gemacht habe. Wenn die Mümmelchen dann gutes Heu und frische Grünkost zur Verfügung haben, reguliert sich jedwedes Ernährungsproblem praktisch von selbst. 

In diesem Sinn wünsche ich allen Mümmelmännchen und -weibchen einsichtige menschliche Ernährer und jederzeit guten Appetit :-))

 

Blick in Godzillas Futternapf (morgens): 10 Gramm Trockenfutter (hier die Mischung aus Selective und Cuni Indoor Nature) wird ergänzt mit dem, was Kaninchen wirklich brauchen, nämlich Grünfutter und Obststückchen, abends gibts dann statt Obst Gemüse


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